2. Orientierungen und Prinzipien unseres Handelns

2. Orientierungen und Prinzipien unseres Handelns

 

2.1.  Unser Menschenbild: Bild vom Kind, Eltern und Familie

 

Aufnahme von Kindern in unserem Kindergarten

Die Anmeldung kann nach telefonischer Terminvereinbarung ganzjährig im Kindergarten vorgenommen werden. Beim Anmeldegespräch und der Führung durch den Kindergarten haben die Eltern die Möglichkeit, sich einen ersten Eindruck über den Kindergarten zu machen. Bei Interesse können sich die Eltern für einen Kindergartenplatz vormerken lassen. Die Aufnahme erfolgt meist zu Beginn eines Kindergartenjahres (01. September) und richtet sich nach den verfügbaren Plätzen und dem Alter des Kindes. Wenn noch Plätze frei sind, ist aber auch die Aufnahme während des Kindergartenjahres möglich.

Haben sich die Eltern für einen Kindergartenplatz bei uns entschieden, werden sie bei einer Informationsveranstaltung genauer über die pädagogische Arbeit des Kindergartens und des Tagesablaufes aufgeklärt. Es werden organisatorische Fragen besprochen, Wünsch und Anregungen bearbeitet und Verträge schriftlich fixiert.

 

Bild vom Kind

Wir versuchen, den Kindern in unserem Kindergarten in der heutigen Zeit gerecht zu werden. Wir schaffen ihnen nicht nur eine kindgerechte Umgebung, sondern achten auch die Würde eines jeden Kindes. Uns liegt daran, den Kindern einen großen Freiraum zu geben, um das selbstbestimmte Handeln zu fördern.

Jedes Kind ist wertvoll und einzigartig. Dieses Bild verlangt von uns als Begleitende bedingungslose Akzeptanz der individuellen Persönlichkeiten unserer Kinder. Wir berücksichtigen den Entwicklungsstand und die Fähigkeiten jedes Kindes und wollen es in seinem Selbstwertgefühl stärken. Unsere Arbeit reflektieren wir dabei regelmäßig kritisch und verantwortungsbewusst. Jede einzelne Mitarbeiterin bringt ihre persönlichen Fähigkeiten und Fertigkeiten in die pädagogische Arbeit mit und unterstützt die Kinder in ihrem Lernen. Dadurch ermöglichen wir Bildung und Erziehung, mit der die Kinder ihr Leben selbständig gestalten können.

Wir gehen davon aus, dass die Entwicklung des Denkens, der Sprache und der ICH-Findung davon abhängt, wie Kinder sich ihre Welt spielerisch und selbstbestimmt aneignen können. Sie brauchen Möglichkeiten zum Handeln und Erproben. Wir bedenken dabei, dass Spielen und Lernen für Kinder im Alter von 1,5 – 7 Jahren nicht zwei verschiedene Elemente sind, sondern dass das Spiel die entscheidende kindliche Form des Lernens ist. Wir wollen den Kindern in unserem Kindergarten einen mutigen und lebensbejahenden Einstieg in ihr Leben ermöglichen. Deshalb gestalten wir die gemeinsame Zeit in der Einrichtung so, dass die Interessen und Bedürfnisse der Kinder im Vordergrund stehen.

 

Schwerpunkte und Ziele

Wir finden in der Arbeit mit Kindergartenkindern Strukturen und Abläufe sehr wichtig und haben deshalb unsere Tagesplanungen nach festen Abfolgen strukturiert und festgelegt. Besonders für Kinder mit erhöhtem Förderbedarf und für die Kinder unter 3 Jahren sind Strukturen und Rituale, die immer wiederholt werden, sehr wichtig und die Grundlage dafür, dass sie sich öffnen und vertrauensvoll auf das Gruppengeschehen einlassen. Unser Tag im Kindergarten hat einen festgelegten Ablauf, den die Kinder schon von Anfang an kennenlernen und der ihnen immer wieder, vor allem in neuen unsicheren Situationen, Sicherheit und Halt gibt. Der Morgenkreis, die gemeinsamen Brotzeiten und die verschiedenen Rituale im Tagesablauf sind einige Beispiele hierfür.

Ein wichtiges Symbol, das im Kindergartenjahr häufig auftaucht, ist der Kreis, z.B. Morgenkreis, Stuhlkreis…. – er bietet Möglichkeiten, wichtigen Erziehungszielen Ausdruck zu verleihen:

  • einen festen Platz in der Gruppe haben
  • zu einer Gemeinschaft gehören
  • Anerkennung und Geborgenheit erfahren, den Anderen sehen
  • Regeln und Grenzen einhalten
  • Sensibilisierung für eigene Gefühle und die Gefühle Anderer

Wir legen auch sehr großen Wert auf die Freispielzeit, die anhand wissenschaftlicher Untersuchungen die wichtigste Form des Lernens in dieser Entwicklungsphase ist.

Weitere Schwerpunkte und Ziele unserer pädagogischen Arbeit:

–  Erziehung zur Sicht des Ganzen

(Das Kind lernt, dass es Teil der Gruppe ist)

–  Erziehung zum Verantwortungsbewusstsein

(Das Kind bekommt die Möglichkeit für Entscheidungen und Mitgestaltung)

–  Erziehung zur Selbständigkeit

(Das Kind braucht Vertrauen und Motivation)

–  Erziehung zur Friedensfähigkeit

(Das Kind bekommt Möglichkeiten zur gewaltfreien Konfliktlösung)

–  Erziehung zum Erleben

(Das Kind soll mit allen Sinnen erleben und eigene Erfahrungen machen)

–  Erziehung zum Maßhalten

(Das Kind lernt in einer Überfluss- und Wegwerfgesellschaft ein richtiges   Maß zu finden)

 

Elternarbeit

Die Eltern sind neben den Kindern die wichtigsten Personen in unserer Arbeit. Eine gute Zusammenarbeit mit ihnen liegt uns sehr am Herzen, denn nur dann können wir das Kind in seiner gesamten Entwicklung gezielt und wertvoll fördern. Damit diese partnerschaftliche Zusammenarbeit gelingen kann, bieten wir vielfältige Möglichkeiten des gegenseitigen Austausches und Kennenlernens an. Das Mitwirken und Einbringen der Eltern mit ihren individuellen Möglichkeiten ist eine Bereicherung für unsere Planung und Angebote.

Uns ist es wichtig, dass wir mit den Eltern von Anfang an in Kontakt sind und uns über Entwicklungsschritte des Kindes austauschen und gegenseitig beraten. Bei Fragen und Problemen der Eltern versuchen wir Antworten zu finden bzw. Kontakte zu Fachstellen zu vermitteln.

Nur wenn von Anfang an, schon bei der Eingewöhnungsphase, eine gute Bindung und ein guter Kontakt zu den Eltern entsteht, kann die Arbeit am Kind effektiv und gut gestaltet werden. Das Vertrauen der Eltern ist für uns wichtig, um das Vertrauen der Kinder zu gewinnen.

 

 

2.2. Unser Verständnis von Bildung

 

2.2.1.  Unser pädagogischer Ansatz

Leitsatz / Unser christliches Profil

(In Anlehnung an den BEP II: 3.2.1.)

Wir als kirchlicher Träger gehen in unserem Kindergarten vom christlichen Menschenbild aus.

Die Kinder können sich als Menschen entwickeln, die Vertrauen aufbauen und Selbständigkeit wagen können, weil sie sich bei Gott geborgen und von ihm ohne Bedingungen mit ihren Stärken und mit ihren Schwächen akzeptiert wissen. Wir legen Wert darauf, dass die Kinder in unserem Kindergarten gelingendes Zusammenleben einüben können, dass sie mit Konflikten umgehen lernen, weil sie wissen, dass immer ein Neuanfang möglich ist und dass sie sich in unserer Gemeinschaft ermutigt fühlen, für sich und für Andere Verantwortung zu übernehmen.

Wir fördern die Neugierde der Kinder, sich in unserer Welt auf die Suche zu machen und sie als Schöpfung Gottes zu entdecken. Wir unterstützen sie in dem Versuch, mit Worten und Bildern auszudrücken, welche Bedeutung Gottes Wirken für sie selbst und für unsere Welt haben kann.

Es ist uns wichtig, die Kinder zu ermutigen, sich kreativ und phantasievoll an der Gestaltung ihrer Welt zu beteiligen. Deshalb gestalten und feiern wir Feste im kirchlichen Jahreskreis und pflegen den regelmäßigen Kontakt zu unserer evangelischen Kirchengemeinde, der Friedenskirche.

Da in unserem Kindergarten auch Kinder mit anderen Religionen gehen, ist uns der gelebte Glaube in all seiner Buntheit in Form von Liedern, Gebeten und religiösen Angeboten besonders wichtig. Mit unserem Verhalten wollen wir Neugier, Verständnis und Toleranz vorleben.

 

Aufgabe unserer Einrichtung

Wir sehen die Eltern als Hauptverantwortliche für die Erziehung, Bildung und Betreuung der Kinder. Unsere Aufgabe ist die Unterstützung und Ergänzung der Erziehung neben den Eltern. Dabei achten und schätzen wir immer erst die Entscheidungen und Einstellungen der Erziehungsberechtigten. Wir orientieren uns dann pädagogisch und organisatorisch an den Bedürfnissen der Kinder und ihren Familien. Durch eine vertrauensvolle und offene Zusammenarbeit zwischen Elternhaus und Kindergarten und durch einen wertschätzenden und freundlichen Umgang miteinander ist eine gute Basis für ein pädagogisch wertvolles Arbeiten geschaffen. Wir wollen die Anliegen und Meinungen der Eltern verstehen  und den Familien den Aufenthalt bei uns so angenehm wie möglich gestalten. Für alle Beteiligten soll die tägliche Zusammenarbeit so effektiv und schön wie möglich sein.

 

Unser Leitbild

Während der Arbeit an unserer ersten Konzeption aus dem Jahr 2005 wurde viel darüber geredet und nachgedacht, was uns in unserem Kindergarten sehr am Herzen liegt und was uns besonders wichtig ist. Auch wenn sich in den letzten Jahren viele Dinge in der Pädagogik und der Arbeit am Kind verändert haben, wollen wir an unserm Leitbild weiterhin festhalten.

Wir als evangelischer Kindergarten “Kunterbunt” wollen:

-    Die Kinder sensibel machen für die Mitmenschen, die Natur und die Umwelt. In einer Atmosphäre gegenseitiger Anerkennung und Toleranz üben die Kinder christliche Werterhaltung (z.B. Vertrauen, Ehrlichkeit….)

-   Den christlichen Glauben für Kinder erlebbar machen im Alltag durch Gebete, Lieder, Geschichten, durch Kindergottesdienste, Feste und Feiern im Jahreskreislauf

-   Andersgläubigen Kindern und Eltern tolerant und offen begegnen, den sie sollen sich bei uns wohl fühlen und angenommen werden.

2.2.2. Stärkung der Basiskompetenzen

 

Ausgehend von der Einzigartigkeit und Persönlichkeit jedes einzelnen Kindes werden Werthaltungen und Basiskompetenzen vermittelt und weiterentwickelt. Diese Basiskompetenzen beschreiben grundlegende Fertigkeiten und Persönlichkeitsmerkmale, die das Kind fähig machen mit anderen Menschen zusammenzuleben und sich mit den Gegebenheiten der Umwelt auseinanderzusetzen. Sie vermitteln dem Kind ein “Grundgerüst” und sin so eine sichere Orientierung für den weiteren Weg ins Leben. Als Grundstein für eine gute Entwicklung des Kindes sehen wir die Stärkung und Förderung seiner Kompetenzen.

Dazu gehört ein gesundes Selbstwertgefühl, Motivation und Begeisterungsfähigkeit, die geistige Wahrnehmung und Stärkung der Sinne, körperliche und soziale Kompetenzen und die Entwicklung von Werten.

Das Kind fühlt sich akzeptiert, geliebt und in seiner Persönlichkeit fürsorglich und respektvoll behandelt. Es fühlt sich ohne Einschränkungen angenommen und entwickelt durch gute Rückmeldung der Erwachsenen ein positives Selbstwertgefühl und Selbstkompetenz. Diese hilft, auch mit negativen Veränderungen und Belastungen zurechtzukommen.

Das Kind bekommt möglichst oft die Möglichkeit selbst zu bestimmen, was und wie es etwas tun möchte. Es darf sich neue Herausforderungen suchen, die optimal für seine Fähigkeiten sind. Schwierige Herausforderungen werden mit eigenen Kompetenzen weitgehend eigenständig bewältigt und fördern so das Selbstvertrauen.

Das Kind lernt und versteht durch “ganzheitliche Erfahrungen”.  Es findet durch Phantasie und Kreativität die Möglichkeit sich im motorischen, sprachlichen, musischen oder gestalterischen Bereich auszudrücken. Das Kind kann seinen Bewegungsdrang ausleben und dabei seine Grob- und Feinmotorik übern. Es kann Kontakt zu Gruppenmitgliedern aufnehmen und sich in der Gemeinschaft zurechtfinden. Es werden verschiedene Möglichkeiten der Ausdrucksfähigkeit erfahren und umgesetzt (Mimik, Gestik, Körpersprache….) und das Kind lernt zudem Möglichkeiten der Konfliktlösung kennen.

In unserem Kindergarten hat das Kind die Möglichkeit, mit anderen Kindern den Kindergartenalltag zu gestalten. Es beginnt, sich für den Anderen zu interessieren und ein Gruppengefühl zu entwickeln. Durch das Erkennen und Einüben von Gemeinschaftsregeln wir es zu einem wichtigen Teil der Gruppe.

2.2.3. Individuelle Unterschiede der Kinder als Bereicherung – Integration

Umgang mit individuellen Unterschieden

Der sensible Umgang mit jedem einzelnen Kind und seinen Bedürfnissen bzw. Besonderheiten ist das wichtigste Ziel unserer Arbeit. Wie nachfolgend beschrieben, zählen hierzu besonders die Kinder mit Migrationshintergrund und (drohender) Behinderung. Aber die Erziehung in unserem Kindergarten soll eine geschlechtersensible, interkulturellen Erziehung sein, die für alle Kinder mit ihren unterschiedlichen Begabungen oder Einschränkungen offen ist und den individuellen Anforderungen gerecht wird.

Integration von Kindern mit Migrationshintergrund

 Für Kinder, die über keine oder unzureichende Deutschkenntnisse verfügen, ist in unserer Einrichtung eine besondere Sprachförderung sichergestellt. Die sprachliche Bildung und Förderung von Kindern, die in diesem Bereich besonders förderbedürftig sind oder die zum Besuch eines Kindergartens mit integriertem Vorkurs verpflichtet wurden, ist in Zusammenarbeit mit der Grundschule auf der Grundlage der entsprechenden inhaltlichen Vorgaben “Vorkurs Deutsch lernen vor Schulbeginn” oder einer gleichermaßen geeigneten Sprachfördermaßnahme durchzuführen.

Eine päd. Fachkraft aus der Grundschule fördert diese Kinder im Rahmen “Vorkurs Deutsch” im letzten Kindergartenjahr.

Zusätzlich macht eine Erzieherin aus unserer Einrichtung einmal in der Woche mit den Kindern Übungen in einem “Deutschkurs”.

Inklusion

Seit der Aufnahme von drei Kindern mit Trisomie 21 in unserem Kindergarten und die dadurch entstandene Integrativgruppe haben wir unsere pädagogische Arbeit unter einem ganz neuen Aspekt durchleuchtet und uns für die inklusive Arbeit entschieden: Unsere Grundhaltung ist geprägt von der Erfurcht vor dem Leben und von der Achtung aller Menschen. Wir begegnen vorurteilslos und nehmen Jeden so an, wie er in seiner Individualität ist, und mit seinen Stärken und Schwächen. Aus dem biblischen Gebot der Nächstenliebe resultierend, unterstützen wir Jeden mit seinen Bedürfnissen. Wir wollen Andere so behandeln, wie auch wir behandelt werden wollen. Deshalb ist uns ein liebevoller Umgang mit Allen und Jedem sehr wichtig, z.B. Anerkennung, Freundlichkeit, Wertschätzung usw.

Wir wollen und werden kein Kind ausschließen. Wir akzeptieren Jeden in seiner Individualität! Es werden keine Unterschiede in Hinblick auf ein gemeinschaftliches, partnerschaftliches Verhältnis gemacht. Das “miteinander Können” soll stehen für “sich begegnen”, “sich gemeinsam finden”…. Dabei behalten wir uns aber vor, bei der Aufnahme von Kindern mit Handicap zu entscheiden, ob wir allen nötigen Anforderungen gerecht werden können, oder ob das Kind in einer speziellen Einrichtung besser aufgehoben wäre. Nur durch diese ehrliche Auseinandersetzung mit diesem Thema können wir auch weiterhin wertvolle pädagogische Arbeit leisten.

Grundsätze und Umsetzung der Inklusion in unserem Kindergarten:

-  Durch Fortbildungen, Visitationen und Gespräche mit Fachleuten und den Eltern schaffen wir optimale Bedingungen für Inklusion.

-  Die enge Zusammenarbeit zwischen den Eltern, den Fachdiensten und uns muss ein Hauptbestandteil unserer pädagogischen Arbeit sein, der stetig wachsen und die bestmöglichste Förderung des Kindes gewährleisten soll.

-  Durch Räumlichkeiten und Material soll den spezifischen Bedürfnissen der Kinder Rechnung getragen werden. Ihnen soll ein Gefühl von Sicherheit vermittelt werden. Neugier und Interesse wird durch diese Voraussetzungen angeregt.

-  Die Kinder werden durch liebevollen, herzlichen und zugewandten Umgang aller Mitarbeiterinnen gestärkt und angenommen.

-  Es soll bei uns eine Atmosphäre der gegenseitigen Akzeptanz und Zusammengehörigkeit herrschen.

-  Jedes Kind soll in seiner Individualität und Einzigartigkeit wahrgenommen werden.

- Die pädagogische Arbeit soll auf die individuellen Bedürfnisse, Stärken und Fähigkeiten der einzelnen Kinder zugeschnitten sein.

-  Jedem Kind soll es ermöglicht werden, sich auf seine Art in pädagogische Angebote einzubringen und dabei auch Erfolge zu haben.

-  Sozialer Ausgrenzung und Entwicklung von Vorurteilen soll entgegengewirkt werden.

2.3. Unsere pädagogische Haltung, Rolle und Ausrichtung

Formen unserer pädagogischen Arbeit

Freispiel:

Das Freispiel ist die Zeit im Tagesablauf, in der das Kind den Spielpartner, das Material, den Ort und den Zeitpunkt des Auswählens und seine eigenen Ideen allein und mit anderen Kindern verwirklichen kann.

Dem allgemeinen Entwicklungsstand des Kindergartenkindes entspricht die Regelung, dass das Freispiel einen zeitlich viel größeren Raum einnimmt als das gezielte Angebot. Beim Freispiel geschieht durch die Vielfalt von Tätigkeitsprozessen im Wahrnehmen, Bewegen, Handeln, Reden und Spielen ein grundlegender Aufbau der Persönlichkeit jeden einzelnen Kindes. Das Freispiel bietet den Kindern die Möglichkeit, ihre Phantasie zu entwickeln und ihre individuellen Fähigkeiten zu entdecken. Die Kinder haben in der Zeit viel Raum für eigene Entscheidungen und entwickeln dadurch ihre Selbstverantwortung, ihre Selbständigkeit und ihr Selbstwertgefühl. Außerdem erfahren sie viele neue Eindrücke für ihre soziale Entwicklung.

“Das Spiel ist die Brücke zur Wirklichkeit”. (Bruno Bettelsheim)

Gezielte Angebote und Stuhlkreis:

Zunächst betrachten wir den Lebensraum Kindergarten mit all seinen Möglichkeiten als Angebot an die Kinder. Wir Mitarbeiterinnen wollen keine “Animateure” sein, sondern engagiert Begleiterinnen, die so wenig wie möglich eingreifen, damit sich wirklich selbständiges Handeln und Spielen entwickeln kann.

Denn gibt es in unserer Einrichtung feste Zeiten in denen es das “Angebot” gibt. Zu Beginn der Kernzeit treffen wir uns jeden Tag zum gemeinsamen Morgenkreis, bei dem wir den anstehenden Tag besprechen und uns begrüßen. Dieser Kreis läuft immer nach dem gleichen Schema ab und gibt vor allem den neuen und kleineren Kindern Sicherheit und hilft oft auch den Trennungsschmerz am Morgen leichter zu überwinden. Nach der Brotzeit bieten wir jede Woche neue Bastelangebote an. Auch der Stuhlkreis, der nach der zweiten Freispielzeit um ca. 11.00 Uhr stattfindet, ist eines unserer gezielten Angebote für die Kinder. Beispiele für den Stuhlkreis sind religiöse Erzählungen, Bilderbuchbetrachtungen, Klanggeschichten, Kreis- und Fingerspiele, Natur- und Umwelterziehung und Angebote zum Jahreskreis.

Wir sind der Meinung, dass neben der Selbsterfahrung des Kindes und seiner Mitbestimmung auch das gezielte Angebot ein wichtiger Teil der pädagogischen Arbeit im Kindergarten ist und bleibt. Vor allem mit Sicht auf das spätere Schulsystem, das seit Jahren feste Strukturen, gezielte Angebote und Fördereinheiten verfolgt, ist es wichtig, die Kinder schon im Kindergarten auf diese Form des Lernens vorzubereiten. Wir haben im Team für unserer Einrichtung eine Mischung aus freiem Lernen und Mitbestimmung der Kinder und gezielten Angeboten gefunden und erzielen damit gute Erfolge und bekommen durchwegs positive Rückmeldungen.

Gruppenübergreifende Angebote:

Gruppenübergreifende Angebote, geplant oder spontan, sind Angebote an die Kinder der jeweils anderen Gruppe, sich diesen anzuschließen.

Kinder brauchen einerseits die feste Bindung in einer Gruppe und ebenso das Loslassen. Die Öffnung der Gruppe und die Teilnahme an gruppenübergreifenden Angeboten, wie “Vorlesetag” und “bewegter Ganztag” ermöglicht den Kindern erweiterte Räumlichkeiten und mehr Kontakte zu den Kindern und Erzieherinnen der anderen Gruppe. Sie treffen Freunde, finden weitere Spielmöglichkeiten und erweitern dadurch ihren Handlungsspielraum.

Rituale:

Rituale bringen durch ihre Festlegung eine Wiederholung und einen vertrauenserweckenden Hintergrund für das Leben. Kindern, denen jeder Tag eine Fülle von Neuigkeiten bringt, gibt es ein Gefühl der Unsicherheit, wenn sich Dinge im Alltag ändern. Ein geregelter Tagesablauf und dort verankerte Rituale unterstützen das Zusammenleben und das soziale Miteinander, sie halten die Gemeinschaft zusammen. Im Kindergartenalltag geschieht dies z.B. durch das Gebet vor der gemeinsamen Brotzeit oder das Bewegungslied im Morgenkreis.

Teamarbeit

Alle pädagogischen Mitarbeiterinnen arbeiten im Kindergarten als Team, auch wenn die Gruppenleitung bei den Erzieherinnen liegt. Obwohl die Pädagoginnen unterschiedliche Qualifikationen vorweisen, ist es wichtig, in gemeinsamer Verantwortung zusammen zu arbeiten. Alle sind verantwortlich für die Einrichtung und bringen ihre unterschiedliche Fähigkeiten und Neigungen in die Arbeit mit ein. Bestimmte Aufgabenstellungen und Verantwortungen sind im Team geregelt und aufgeteilt und werden in den Teamsitzungen regelmäßig besprochen. Bei Personalengpässen springen die Mitarbeiterinnen auch in der anderen Gruppe ein. Gespräche mit Eltern über pädagogische Inhalte werden nur von den pädagogischen Fachkräften geführt.

In regelmäßigen Abständen trifft sich das Personal des Kindergartens zur Team- bzw. Dienstbesprechung. Diese findet oft auch mit dem Träger statt.

Punkte der Besprechungen können sein:

  • organisatorische Fragen
  • konzeptionelle Änderungen
  • inhaltliche Fragen (z.B. Elternarbeit)
  • Projekte
  • Aufgabenverteilung
  • Informationsaustausch
  • Fallbesprechungen usw.

Diese regelmäßigen Besprechungen bieten uns die Möglichkeit, die Arbeit zu reflektieren, zu planen und Informationen auszutauschen.