4. Pädagogik der Vielfalt

4. Pädagogik der Vielfalt – Organisation und Moderation von Bildungsprozessen

 

4.1. Differenzierte Lernumgebung

 

4.1.1.  Anregende Lernumgebung und Exkursion

 

 

Ein Rundgang durch den Kindergarten

 

Der Kindergarten ist in folgende Räume aufgeteilt:

2 Gruppenräume (Rot/Grün)

Intensivraum

Großzügiger Flur

Offene Küche

Waschraum mit Kindertoiletten und Wickelbereich

Büro/Personalraum

Putzraum

Turnraum (UG)

Toiletten für Personal und Gäste (UG)

Lagerraum (UG)

Heizungskeller (UG)

 

Jede Gruppe ist nach den individuellen Bedürfnissen der jeweiligen Kinder eingerichtet. Sie teilt sich auf in Puppenwohnung. Empore, Mal- und Basteltisch, Leseecke mit Sofa, Spielteppiche und Spieltische. Von beiden Gruppen aus besteht die Möglichkeit, den Intensivraum zu öffnen und mitzubenutzen. Die Aufteilung des Gruppenraumes regt die Kinder an, sich in kleinen Gruppen zu verteilen, aber auch zeitweise alleine zu spielen.

 

Im Flur befinden sich die Garderoben und einige Informationswände für Eltern und Besucher. Ebenso sind hier die für die Kinder wichtigen Schubladenschränke, in denen sie ihre Schätze und Kunstwerke aufbewahren können. Auch ein Sofa für die Eltern während der Eingewöhnungszeit steht bereit.

 

Der Intensivraum dient der Ruhefindung. Aufgeteilt in verschiedene Bereiche wird der Raum für Teilgruppenarbeit, Einzeltherapien und Vorschulangebote genutzt. In der Traumhöhle haben besonders die kleinen Kinder die Möglichkeit, sich zurückzuziehen. Die vierte Ecke lässt sich zu einem Kreativbauplatz, Kugelbad oder einem weiteren Ruhe- und Lesebereich gestalten. Durch seine flexiblen Gestaltungsmöglichkeiten ist der Intensivraum besonders wichtig für die situationsorientierte Arbeit und das Eingehen auf die Wünsche, Anregungen und Bedürfnisse der Kinder. In diesem Raum sind auch unsere Bücher untergebracht. Außerdem wird dieser Raum nach dem Mittagessen als Gruppenraum für die Nachmittagskinder genutzt.

 

In der offenen Küche wird mit den Kindern gekocht und gebacken. In erster Linie wird dort das Mittagessen für die Kinder vorbereitet und aufgeteilt. Bei Festen bietet die offene Form mit einer Theke gute Möglichkeiten für die Bewirtung von Gästen.

 

Im Waschraum befinden sich 4 Kindertoiletten, 6 Kinderwaschbecken, eine Duschmöglichkeit und ein Wickelbereich

 

Das Büro dient als Personalraum und bietet den Mitarbeiterinnen die Möglichkeit für die Arbeit am PC im organisatorischen Bereich. Dieser Raum ist außerdem für ungestörte Gespräche mit Eltern, Mitarbeitern usw. gedacht. Außerdem ist er Aufbewahrungsort für Handbücher, Akten und Informationsmaterial.

 

Im Turnraum sind die Sprossenwand und eine Kletterwand aufgebaut. Außerdem haben wir dort eine Langbank, Matten und Turnutensilien. Der großzügige Raum wird zu gruppenübergreifenden Angeboten und bei Festen und Veranstaltungen genutzt.

 

Außenanlage:

Unser Garten ist ruhig und großzügig mit zwei Sandkästen, einer Doppelschaukel, einer Nestschaukel, einer Wippe, Rutsche, Rutscherl-Berg und einer großen Holzeisenbahn ausgestattet. Eine weit gepflasterte Fläche bietet den Kindern die Möglichkeit, sich mit Fahrzeugen und Rollern fort zu bewegen. Immer wieder werden mit den Kindern Angebote zum Projekt “Wachsen und Gedeihen” geplant und durchgeführt. eine ausreichende Beschattung durch die hohen Bäume ist gegeben. Das Grundstück ist komplett eingezäunt.

 

 

Exkursion

–   Ausflüge mit den Schulanfängern: Wir besichtigen ausgewählte Einrichtungen im Stadtbereich, wie Feuerwehr, Krankenhaus, Bank, wichtige Kultureinrichtungen der Stadt Passau.

–   Spaziergänge: Je nach Wetterlage erkunden wir unsere Umgebung

–   Ausflüge: Am Ende des Kindergartenjahres machen die Schulanfänger einen größeren Ausflug mit den Betreuerinnen, z.B. zur Veste Oberhaus (Oberhausmuseum), nach Pullman City, usw. Große Ausflüge mit den Eltern werden zusammen mit dem Elternbeirat geplant und durchgeführt.

 

 

4.1.2. Angebotsvielfalt – Planung und Dokumentation der Bildungsarbeit 

 

Tagesablauf

7.00 Uhr                     Beginn der Öffnungszeit

 

7.00 Uhr –  9.00 Uhr    Bringzeit / 1. Freispielzeit

Alle Kinder werden bis 7.30 Uhr in der grünen Gruppe empfangen und dort betreut. Danach geht jedes Kind in seine Gruppe. Die Wahl der Spielmaterialien und des Spielpartners sind hier frei.

 

9.00 Uhr – 12.00 Uhr    Kernzeit

Diese startet jede Gruppe um 9.00 Uhr mit einem gemeinsamen Morgenkreis, dem die erste gemeinsame Brotzeit folgt. Danach finden pädagogische Angebote wie Turnen, Basteln, Kochen, Singen usw. statt. Um ca. 11.00 Uhr ist täglich ein Stuhlkreis, der je nach Thema 20 bis 40 Minuten dauert. Hier lernen die Kinder z.B. Fingerspiele, hören Geschichten und Bilderbücher, machen Experimente und halten Kinderkonferenzen ab. Um 11.45 Uhr ist die 2. Brotzeit bzw. das Mittagessen.

 

12.30 Uhr – 16.00 Uhr    2. Fingerspielzeit / Spiel im Garten / Nachmittagsgruppe

Die Kinder bewegen sich unter Aufsicht an der frischen Luft. Die Art des Spiels und die Wahl der Spielpartner sind frei. Den Kindern stehen die Sandkästen und die Spielgeräte wie Schaukel, Rutsche, Dreiräder und Kletterturm zur Verfügung. (Im Sommer oder an heißen Tagen wird meist am Vormittag in den Garten gegangen. Somit ist der Besuch des Gartens nicht nur auf diese Zeit beschränkt.) Bei schlechtem Wetter gehen die Nachmittagskinder in den Intensivraum, bzw. werden in zwei Gruppen im Intensivraum und Turnraum aufgeteilt. Es werden Spiele, Bilderbücher, kreative Arbeiten oder Bewegungsmöglichkeiten angeboten.

 

4.2. Interaktionsqualität mit Kindern

 

Mitwirkung der Kinder

 

Partizipation:

“Entscheidungen, die das eigene Leben und das Leben der Gemeinschaft betreffen, zu teilen und gemeinsam Lösungen für Probleme zu finden”. (Schröder 1995, 14)

Im Kindergarten heißt dies, die besten Entscheidungen für die Kinder trifft man mit den Kindern. Durch die Erfahrungen der Partizipation werden die Kinder zur Selbstbestimmung. Entscheidungsfähigkeit, Verantwortungsbewusstsein, Kommunikationsfähigkeit und Problemlösungskompetenz befähigt. Die Kinder bekommen dadurch ein gewisses Mitsprache- bzw. Mitentscheidungsrecht. Dies geschieht vor allem durch Gesprächskreise und sogenannte “Kinderkonferenzen”. Am wichtigsten ist es, Zeit für den regelmäßigen Austausch zu haben um die Interessen der Kinder wahrzunehmen und teilweise Projekte daraus zu entwickeln.

 

Gesprächskreise und Kinderkonferenzen:

Nach dem BEP werden Bildungsprozesse mit den Kindern kooperativ gestaltet. Regelmäßig wirken die Kinder am Bildungs- und Einrichtungsgeschehen mit und lernen hierbei:

–  ihre eigenen Interessen aktiv zu vertreten,

–  Verantwortung über ihr Handeln zu übernehmen,

–  Regeln einzuhalten und deren Sinn zu verstehen,

–  eigene Wünsche selbstbewusst zu äußern,

–  Vorstellungen zu formulieren,

–  sich selbst, andere und ihre Umgebung zu hinterfragen,

–  eigene Gefühle zu erkennen und sich in Gefühle anderer hineinzuversetzen

–  sich sprachlich und gesetzt ausdrücken,

Somit geben wir den Kindern das Gefühl: “Meine Meinung ist wichtig, ich kann Entscheidungen treffen.” Diese Gesprächskreise und Konferenzen finden bei uns in jeder Gruppe regelmäßig statt.

 

Partizipative Bildungsprozesse im Alltag

Morgenkreis:

Der Morgenkreis soll jedem Kind vermitteln, dass es in der Gruppe aufgenommen und mit ihr verbunden ist. Dieses Ritual wiederholt sich täglich und gibt so Sicherheit und Struktur. Die Kinder lernen, sich zu begrüßen, stellen fest, ob alle da sind und überlegen gemeinsam, wer fehlt. Ganz spielerisch lernen die Kinder durch das gemeinsame Zählen der anwesenden Kinder bis zur Gesamtanzahl zu zählen.

Zudem wird im Morgenkreis der Tagesablauf besprochen und jedes Kind hat die Möglichkeit, etwas zu erzählen oder Wünsche zu äußern. Auch für die Besprechung aktueller Themen, Ereignisse, Aktionen oder Probleme die die Kinder beschäftigen bietet der Morgenkreis eine gute Gelegenheit. Ebenso wird jeden Tag der Wochentag, das Wetter und die Jahreszeit besprochen. Zum Abschluss wird ein gemeinsames Lied gesungen. Dieser immer wiederkehrende Ablauf schenkt den Kindern Sicherheit, sie lernen langsam vor der Gruppe zu sprechen und Wortschatz, Artikulation, Mimik und Gestik entwickeln sich.

 

Alltagsgespräche:

Bei Gesprächen zwischen Erwachsenen und Kindern, die auf ernstgemeinte Dialoge ausgerichtet sind, können die im Alltag anliegenden Themen und individuelle Probleme besprochen und geklärt werden. Die Erwachsenen können die Erfahrungen der Kinder mit ihnen reflektieren und dabei ihre eigenen Erfahrungen einbringen. Konflikte werden durch Alltagsgespräche unkompliziert bearbeitet und gelöst und die Kinder lernen dabei, wie man nach Auseinandersetzungen in einer Gruppe wieder zueinander findet. Die Kinder fühlen sich ernst genommen und entwickeln ein gesundes Selbstwertgefühl, wenn sie wissen, dass sie jederzeit mit den Betreuungspersonen über all ihre Belange sprechen können.

 

Reflexion:

Da die Themen für den Tag oft schon feststehen, sind kurze Reflexionsphasen mit den Kindern eine gute Strategie, Veränderungen herbeiführen zu können. So kann vorausschauend geplant werden. Wenn wir mit den Kindern immer wieder besprechen, was ihnen gefallen hat und was eher nicht, können wir unsere pädagogische Arbeit und die jeweiligen Angebote und Projekte gut danach ausrichten und planen.

 

4.3. Bildungs- und Entwicklungsdokumentation, transparente Bildungspraxis

 

Beobachtung und Dokumentation

Die Beobachtung von Entwicklungsprozessen ist Bestandteil des erzieherischen Alltags und bildet eine wesentliche Grundlage für pädagogisches Handeln im Kindergarten. Die Ergebnisse der Beobachtungen von Kindern sind unter anderem auch Grundlage für Gespräche mit Eltern, Schulen und Fachdiensten. Dies kann aber nur in Absprache mit den Eltern geschehen, da der Kindergarten ohne ihre Zustimmung der Schweigepflicht obliegt.

 

Als geeignete Hilfsmittel dienen uns die Beobachtungsbögen:

Perik    –    positive Entwicklung und Resilienz im Kindergartenalltag

Seldak  –    Sprachentwicklung und Literacy bei deutschsprachig aufwachsenden Kindern

Sismik   –    Sprachentwicklung bei Kindern mit Migrationshintergrund

Ebenso wichtig sind uns aber auch unsere selbst erstellten Dokumentationsbögen und Notizen, die wir im Kindergartenalltag verwenden. Sie helfen uns, das Verhalten des Kindes in bestimmten Situationen des Alltags oder bei Angeboten festzuhalten. Diese Beobachtungen und Erkenntnisse fließen ebenfalls in die Elterngespräche mit ein.

 

Portfoliomappe /Erinnerungsalbum

Beobachtung und Dokumentation des täglichen Geschehens im Kindergarten ist sehr wichtig. Seit einiger Zeit arbeitet unsere Einrichtung mit Portfolio – Ordnern. Das ist eine Ansammlung von Dokumenten, die unter aktiver Beteiligung der Kinder zustande kommen und etwas über die Lernprozesse der Kinder aussagen. Sie enthalten Lieder, Fingerspiele, Zeichnungen, Dokumentationen, Bilder, Fotos und vieles mehr.

Portfolios dienen uns in erster Linie dazu, den Eltern die Entwicklung ihres Kindes zu verdeutlichen, aber sie spiegeln auch aussagekräftig die Lebenswelt des Kindergartens wieder. Die Dokumente werden in einem Ordner aufbewahrt, den die Eltern und Kinder am Ende des Kindergartenzeit überreicht bekommen. Im Laufe der Kindergartenzeit ist das Portfolio jederzeit für die Kinder und Eltern einsehbar.

 

Transparenz der täglichen Arbeit

Die Zusammenarbeit und der Austausch mit den Eltern wird in unserer Einrichtung als sehr wichtig erachtet. Nur wenn Kindergarten und Eltern sich bemühen, ein Vertrauensverhältnis aufzubauen und zu erhalten, kann konstruktiv und positiv an der Entwicklung des Kindes gearbeitet werden. Das eingehen einer Erziehungspartnerschaft soll allen Beteiligten oberstes Ziel sein.

 

Tür- und Angelgespräche:

Während der Bring- und Abholzeit besteht die Gelegenheit, sich kurz mit den Eltern auszutauschen. Oft sind diese kleineren Informationen sehr wichtig für den Tag. Gerade in der Bringzeit bekommt man von den Eltern Informationen, die im Alltag von Nutzen sein können. Ebenso sind die Eltern über die Informationen, die sie beim Abholen ihres Kindes bekommen, oft sehr dankbar, weil sie dadurch den Alltag des Kindes besser nachvollziehen können.

 

Wochenplan:

In unserer Einrichtung ist es üblich, Planungen und Aktivitäten für die Eltern in einem Wochenplan festzuhalten. Dieser enthält das Geschehen in der Gruppe, das voraussichtlich stattfinden wird. Änderungen sind natürlich vorbehalten und von der jeweiligen Alltagssituation der Kinder abhängig. Der Wochenplan hängt vor den beiden Gruppen aus.

 

Gruppentagebuch:

Um den Tagesablauf im Kindergarten für die Eltern transparenter zu machen, legen wir neben dem Wochenplan noch unsere Gruppentagebücher aus. In diese Bücher schreiben die Betreuerinnen das Geschehen vom Tag, z.B. Thema des Stuhlkreises, Angebote in der Freispielzeit, Vorschularbeit usw. Das Tagebuch liegt im  Gang vor der Tür der jeweiligen Gruppe aus.

 

Fotodokumentation:

Viele Ereignisse im Kindergartenalltag, wie Erntedank, Nikolausbesuch, Osterfeier, finden bei uns ohne Beteiligung der Eltern statt. Damit sie aber sehen können, was ihr Kind erlebt hat, werden Fotos gemacht und im Kindergarten ausgestellt. Außerdem werden auch sogenannte Lerndokumentationen von den verschiedenen Projekten angefertigt und im Gang präsentiert. Dadurch erfahren Eltern und Besucher viel über die pädagogischen Inhalte und Lernerfahrungen der Kinder.